Lies mit einer Frage
Bevor du einen Fachtext gründlich liest, verschaffe dir einen Überblick über Fragestellung, Vorgehen und zentrale Ergebnisse. Entscheide dann, wofür du ihn in deiner eigenen Arbeit brauchst. Nicht jede Veröffentlichung musst du vollständig lesen. Entscheidend ist, die Aussagen, die du verwendest, in ihrem Kontext zu verstehen.
Trenne in deinen Notizen Originalzitate, eigene Zusammenfassungen und eigene Ideen. Notiere Quelle und Seitenzahl oder eine andere genaue Fundstelle sofort. So kannst du später prüfen, ob die Quelle tatsächlich die Aussage stützt, für die du sie einsetzen möchtest.
Prüfe, was eine Quelle tatsächlich belegt
Suche in den für dein Fach geeigneten Datenbanken und ergänze deine Suche durch die Literaturverzeichnisse einschlägiger Arbeiten. Verwende unterschiedliche Begriffe für denselben Gegenstand, gegebenenfalls auch auf Englisch. Halte wichtige Suchbegriffe und Auswahlgründe fest. Ein aktueller Text ist nicht automatisch besser als eine ältere grundlegende Arbeit; ein wissenschaftlicher Publikationsort ersetzt die Prüfung des Inhalts nicht.
Lies bei empirischen Studien besonders genau, wer untersucht wurde, wie Begriffe gemessen oder interpretiert wurden und welches Forschungsdesign verwendet wurde. Angenommen, eine Befragung findet einen Zusammenhang zwischen einer Profilbewertung und einer Kontaktabsicht: Das belegt weder einen Effekt auf tatsächliche Anmeldungen noch eine Aussage über alle jungen Menschen. Ein hilfreicher Quellenvermerk enthält deshalb nicht nur das Ergebnis, sondern auch Datengrundlage und Aussagegrenze. Wissenschaftliche Literatur brauchst du in jedem Lernpfad. Bei einem systematischen Review werden Auswahl und vergleichende Auswertung geeigneter Studien selbst zum Gegenstand deiner Untersuchung.
Führe von einer Aussage zu ihrer Begründung
Ein guter Absatz verfolgt einen Hauptgedanken. Er formuliert eine Aussage, führt geeignete Belege an und erklärt, warum diese Belege für den Gedanken wichtig sind. Ein vereinfachtes Argumentationsschema nach Toulmin hilft, die Verbindung zu prüfen: Was behaupte ich? Womit stütze ich das? Welche Begründung verbindet beides? Welche Einschränkung ist nötig?
Leas BachelorarbeitAus einer Behauptung wird ein Argument
In Leas Rohfassung steht: „Instagram ist für junge Menschen entscheidend.“ Das klingt eindeutig, bleibt aber unbelegt. Sie fragt sich, was „entscheidend“ überhaupt bedeuten soll und welche Quelle diese pauschale Aussage trägt.
In der Überarbeitung unterscheidet sie zwischen dem Finden eines Vereins, dem Bewerten von Informationen und dem tatsächlichen Kontakt. Damit wird klarer, welche Aussage sie belegen muss und was ihre eigene Untersuchung noch klären soll.
Schreibe in mehreren Durchgängen
Erstelle zunächst eine Rohfassung, in der der Gedankengang sichtbar wird. Überarbeite danach Argumentation und Struktur. Erst anschließend lohnt es sich, Sätze im Detail zu glätten. Wenn du jeden ersten Satz sofort perfektionieren möchtest, verlierst du leicht den Blick auf die größere Frage.
Formuliere so konkret wie möglich. Lange Sätze und abstrakte Wörter machen einen Text nicht automatisch wissenschaftlicher. Benenne, wer was untersucht hat und welche Schlussfolgerung daraus folgt. Paraphrasierte Gedanken anderer brauchen ebenfalls einen Beleg. Die genaue Gestaltung richtet sich nach deinem Zitierstil.
Prüfe deinen roten Faden rückwärts
Notiere nach dem Schreiben neben jeden Absatz einen kurzen Satz zu seinem Hauptgedanken. Diese umgekehrte Gliederung zeigt, ob die Reihenfolge trägt, ob du dich wiederholst und ob wichtige Zwischenschritte fehlen. Das Werkzeug greifst du vor der Abgabe noch einmal auf.
Kurz anwenden: recherchieren und mit eigenen Worten belegen
Von einer Frage zu brauchbaren Quellen
- Wähle über deine Hochschulbibliothek eine fachlich passende Datenbank. Lass dir bei Bedarf den Einstieg zeigen.
- Notiere Schlüsselbegriffe und Synonyme, auch auf Englisch. Verbinde Alternativen mit OR und unterschiedliche Konzepte mit AND; prüfe die Suchsyntax deiner Datenbank.
- Prüfe zwei Treffer: Welche Frage und welches Forschungsdesign behandeln sie? Welche Aussage stützen sie für dein Vorhaben tatsächlich?
- Sichere vollständige Literaturangaben, Link oder DOI und die genaue Fundstelle in deinen Quellennotizen oder deiner Literaturverwaltung. Halte die Auswahlgründe daneben fest.
Zum Nachschlagen: Universitäts- und Landesbibliothek Münster, LOTSE (o. J.): 4. Wie suchen Sie? – Recherche durchführen – Suchkonzepte, AND/OR und Dokumentation.
Eine Quelle verwenden, ohne ihre Formulierung zu übernehmen
Lenzner und Menold besprechen Fragen, die mehrere Bewertungsgegenstände verbinden. Der gekürzte Originalauszug beschreibt das Problem für Befragte. Lies auch den umgebenden Absatz auf S. 4, bevor du ihn für eine eigene Aussage nutzt.
„[…] schwer zu beantworten, wenn diese die einzelnen Stimuli unterschiedlich bewerten.“
Quelle: Lenzner & Menold (2015): Frageformulierung. GESIS Survey Guidelines, Version 1.1 , § 2.6, gedruckte S. 4. Die Auslassung am Anfang ist gekennzeichnet.
Dein Versuch: Erkläre den Gedanken in einem eigenen Satz für einen Methodiktext und ergänze einen Beleg. Erhalte dabei die Bedingung, unter der das Antwortproblem entsteht.
Zwei Varianten und die Begründung ansehen
Zu nah am Wortlaut: Wenn Befragte die einzelnen Inhalte unterschiedlich bewerten, sind solche Fragen schwer zu beantworten (Lenzner & Menold, 2015, S. 4).
Die Reihenfolge wurde geändert und ein Wort ersetzt; die Formulierung bleibt eng am Original. Ein Beleg allein macht daraus noch keine eigenständige Paraphrase. Für ein direktes Zitat wären Anführungszeichen und eine genaue, unveränderte Wiedergabe nötig.
Eigenständige Paraphrase: Sollen zwei Aspekte separat bewertet werden, benötigen sie eigene Antwortmöglichkeiten. Sonst lässt sich bei abweichenden Urteilen nicht erkennen, welchem Aspekt eine gemeinsame Antwort gilt (Lenzner & Menold, 2015, S. 4–5).
Die Paraphrase erklärt das Antwortproblem und bleibt bei der methodischen Empfehlung. Sie verspricht keine automatisch gültige Messung. Eigene Anwendung: Die Übungsfrage „Wie verständlich und vollständig ist das Vereinsprofil?“ würde deshalb in zwei Items aufgeteilt. Diese Übertragung ist unsere Anwendung, kein berichtetes Studienergebnis.
Der Beleg verweist auf die gedruckte Seite des Fachtextes. Gestalte Kurzbeleg und vollständigen Literaturverzeichniseintrag nach den Regeln deines Studiengangs. Zum Paraphrasieren: Witzenberger (2015): Zitieren und Paraphrasieren. In Mehling (Hg.), Propädeutik für Studierende der Kommunikationswissenschaft, University of Bamberg Press , besonders § 8.2.2, S. 158–159.
Fachliche Grundlagen & Quellen
Die Quellen tragen die fachlichen Erläuterungen. Die Fundstellen helfen dir beim gezielten Weiterlesen. Die Fallgeschichte und ihre Beispieldaten sind eigens für den Kurs konstruiert.
- Witzenberger (2015): Zitieren und Paraphrasieren. In Mehling (Hg.), Propädeutik für Studierende der Kommunikationswissenschaft, University of Bamberg Press (externe Quelle, neuer Tab)
- Witzenberger (2015): Hausarbeiten schreiben. In Mehling (Hg.), Propädeutik für Studierende der Kommunikationswissenschaft, University of Bamberg Press (externe Quelle, neuer Tab)
- Liu (2016): Analyse der formalen Eigenschaften der Argumentation in deutschen und chinesischen wissenschaftlichen Texten. Linguistik Online 76(2) (externe Quelle, neuer Tab)
- Universitäts- und Landesbibliothek Münster, LOTSE (o. J.): 4. Wie suchen Sie? – Recherche durchführen (externe Quelle, neuer Tab)
- Hösl (o. J.), Schreibzentrum TU Dresden: Überarbeitungsprozess und Schlusskorrektur (externe Quelle, neuer Tab)
